Liebesgedicht an den Norden – Mona Harry

Aktualisiert: 8. Juli 2019

Einer meiner Lieblingsgedichte...


Du sagst: Norden, das sei doch dieser Ort langweiliger Landschaft,

durchsetzt von hässlichen Städten in ewigen Bergen.

Nichtssagende Wiesen im ewigen Nebel gelegen.

Da sei das Bestreben vergebens sich nicht dem Nass zu ergeben.

Da sei man stets von Kälte, von Klemme und Stürmen umgeben.

Und ich sag dann: Komm, nimm deine Navigationsinstumente.

Stell deinen Blickwinkel neu ein!

Deine Kleider sollen fortan aus Seemannsgarn sein!

Wirf deine Netzhäute aus, um zwischen Wellen nach neuen Sichtweisen zu fischen.

Noch das Fernglas in die richtige Einstellung bringen,

damit deine Augen Lieder zu singen beginnen.

Stechen wir in Seeschärfe, um den Blick frei zu machen!

Denn was ich am Norden so mag ist schlicht das was du anklagst,

Im anderen Blickwinkel betrachten.

Denn ich mag dieses Herbe, das Graue, das salzige Raue.

Das Wasser, den Regen, die wogenden Meere.

Die drohenden Gebärden des Wetters, wenn Wolkenturmhöhen den Himmel beschatten.

Mag das Gefühl mich von Sturmböen beuteln zu lassen!

Mag die Kühe und Deiche mit Schafen aus Watte.

Mag die Dünen und die Weite der schlafenden Watten,

mag die Weite der Felder, den endlosen Blick.

Wo Himmel nur eine Hand weit überm wandernden Horizont liegt.

Ich mag die Unwetterschlachten und auch wenn endlich wieder der Himmel aufreißt!

Ja, wir mögen Kontraste - selbst unsere Kühe sind schwarz-weiß.

Wir haben Jollen und Kutter und Ebbe und Flut,

haben Schollen und Krabben und Hafengeruch.

Und Möwen und Kräne in windiger Luft.

Am Ufer sitzen bis das Fernweh mich ruft:

Oh Heringsschwärme – oh Wetterwende-

Oh Meeresleuchten - oh Septemberende!

Oh Stürme die vor Tobsucht triefen-

Oh Friesenherz - Oh Gummistiefel!

Ach bleibt mir doch weg mit euren Burgen und Bergen, all den Kirchen zum Beten,

Euren kitschigen Schlössern, den abscheulich schönen Städten,

mit diesen schmucken Fassaden, in den schmückenden Farben.

Ja, ich gebe es zu, in Bezug auf geschmackvolle Gebäude kann man euch vertrauen!

Ihr habt wahrlich schöne Städte…nur am falschen Ort gebaut.

Und bleibt mir weg mit diesem ewigen blau und dieser Sonne, die immerzu brennt.

Ihr habt den Til Schweiger der Himmel, weil er nur einen Gesichtsausdruck kennt.

Wir haben den größten Himmel und die steifste Brise.

Die dicksten Fische und die weitesten Wiesen.

Sie spitzesten Muscheln in feuchtesten Watten.

Wo Seehunde kuscheln und sich Schafe auf Deichen begatten!

Wer auch immer beschloss dieses Land zu zubereiten,

dieser Koch war verliebt – selbst die Lust ist versalzen!

Ihr wandert auf Hügeln, manche Felswand entlang,

wir reiten Wanderdünen Richtung Sonnenuntergang!

Haben es einfach nicht nötig übers Wetter zu meckern.

Das Stroh eurer Köpfe haben wir auf den Dächern.

Aus dem Holz vor den Hütten haben wir Schiffe gebaut.

Sitzen auf Sandbänken bis der Morgen längst graut.

Immer dran denkend, dass Wind auch nur Himmel ist, der sich Hautkontakt traut.

Ja, ich mag dieses Herbe, das Graue, das salzige Raue.

Das Land und die Menschen, das offene Blaue.

Den Strand an den Grenzen des nicht endenden Wassers.

Mag die Kühe und Deiche mit Schafen aus Watte.

Mag die Dünen und die Weite der schlafenden Watten,

mag die Weite der Felder, den endlosen Blick.

Wo Himmel nur eine Hand weit überm wandernden Horizont liegt.

Und egal wie oft es mich auf Reisen und in weit entlegene Gegenden zieht,

eine steife Brise trägt mein Herz stetig zurück.

Land zwischen den Meeren, vor dem sich selbst die Bäume verneigen.

Du bist der wahre Grund warum die Kompassnadeln nach Norden zeigen.